Der Ton macht die Musik. Die Melodie macht aber auch die Sprache. Erst die Betonung auf den richtigen Stellen lässt ein Wort richtig klingen. Ansonsten ist man bei synthetisch anmutenden “Roboterstimmen”, die von den meisten Leuten als unnatürlich empfunden werden.
Beim Lernen neuer Wörter sollte man daher darauf achten, auf welche Silben der Stress, also die Betonung hingehört.
Dazu gibt es zwei Hilfsmittel. Zum einen stellen Wörterbücher die Aussprache jedes Wortes in Lautschrift dar, meistens im IPA-System. Hier markiert ein kleiner Strich oben ( ˈ – ähnlich Apostroph), dass die direkt nachfolgende Silbe am stärksten betont wird, also hier der Haupt-Stress liegt. Mehrsilbige Wörter können darüber hinaus kleine Striche unten ( ˌ — ähnlich Komma) enthalten, die “Nebenmaxima der Stresskurve” kennzeichnen.
Falls man nur diese beiden Zeichen kennt, sieht man, dass etwa das Wort becoming /bɪˈkʌmɪŋ/ so betont wird: becoming. Das hätte man im Deutschen auch so gemacht, also wäre die Lernerei für die Katz’.
Ein besseres Beispiel bietet das Gegenteil, also unbecoming. Intuitiv würden viele Deutsche hier unbecoming sagen, was allerdings nicht englisch ist. Im Gegensatz zur Intuition sagt die IPA-Notation nämlich /ˌʌnbɪˈkʌmɪŋ/, also dass der Schwerpunkt auf die dritte Silbe gehört: unbecoming.
Nun, zum Nachschlagen ist dies gut, zum Lernen mit Anki bevorzuge ich das andere Hilfsmittel. Gute Online-Wörterbücher bieten die meisten Wörter korrekt vorgelesen als Audiodatei an, die sich einfach in Anki einbinden lassen.
Auf diese Weise lernt man die richtige Schreibweise durch die Augen (visueller Kanal) und die richtige Aussprache durch die Ohren (akustischer Kanal), was auch irgendwie am natürlichsten klingt.
(Genau genommen lernt man so, Wörter zu lesen. Abschreiben per Hand dürfte die Rechtschreibung vermutlich stärker verbessern)
Die Merkleistung verschiedener Sinneskanäle addieren sich beim Lernen übrigens nicht auf. Diese häufig zitierte Theorie wurde wissenschaftlich widerlegt.